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Matera - von der nationalen Schande zum Weltkulturerbe

Einst bezeichnete man sie als 'nationale Schande', dann wurden sie UNESCO Weltkulturerbe und galten als vorbildliches Beispiel von Wohnungen, 'die sich in perfekter Harmonie mit dem Ökosystem' über Jahrtausende hinweg entwickelt hatten - die Sassi die Matera.

Blick auf die Altstadt von Matera (Fototeca ENIT)

Die Höhlenwohnungen von Matera (I Sassi - die Felsen) wurden seit der Bronzezeit, zusammen mit Brunnen und einem ausgefeilten Bewässerungssystem aus dem Kalktuff gehauen und waren bis Anfang der 1950er Jahre bewohnt. Das Gelände gilt als eine der ältesten Städte der Welt. Über 100 Kirchen und Klöster kamen über die Zeit hinzu. Nach einer langen Zeit der Kriege geriet Matera 1043 unter normannische Herrschaft und wurde Königssitz. Die Blütezeit setzte sich unter den Staufern und Anjou fort und hielt bis ins 17. Jahrhundert an.

Mitte des 20. Jahrhunderts wurden durch Carlo Levis Buch Christus kam nur bis Eboli (1944) die Höhlensiedlungen und deren katastrophale hygienische Zustände weltbekannt. Nunmehr galt es als Kulturschande, dass es noch immer Menschen in Italien gab, die in Höhlen wohnten, so dass man sich entschied sie in neu gebaute Wohnblocksiedlungen umzusiedeln.

Cattedrale Madonna della Bruna (Fototeca ENIT)

1993 wurden die Sassi dann von der UNESCO zum Weltkulturerbe ernannt und seither gewinnt der Tourismus stark an Bedeutung. Viele der Höhlenhäuser, - kirchen und -klöster wurden restauriert und beherbergen heute Hotels, Cafés, Künstlerateliers und Trattorien. Vom Rand der Gravina nördliche der Stadt hat man einen phantastischen Blick auf die Bergsiedlung.

Zu den besonderen Sehenswürdigkeiten zählen die Felsenkirchen San Pietro Barisano (12. Jh.), Madonna delle Virtù, Santa Maria dell'Idris, San Nicola dei Greci mit Fresken aus dem 13. und 14. Jh., Cappuccino Vecchio und Cappuccino Nuovo. Der Dom Madonna della Bruna überragt die Altstadt und vom Vorplatz hat man einen guten Blick auf das Sassi-Viertel Barisano. Dort liegt auch die Grottenkirche San Pietro Barisano. Im Sasso Caveoso liegt die über der Gravina-Schlucht stehende Kirche San Pietro Caveoso deren heutige Form 1656 und 1752 entstand. Es lohnt sich auch ein Spaziergang auf den Monte Errone, von wo aus man einen herrlichen Blick auf den Sasso Caveoso genießt. Weiter südlich liegt die Höhlenkirche Santa Lucia alle Malve mit Fresken aus dem 13. und 14. Jahrhundert.

Matera (Fototeca ENIT)

Die Stadt wird überragt vom Castello Tramontano, die um 1500 von Graf Carlo Tramontano erbaut wurde. 1514 wurde der Graf allerdings bei einem Aufstand der Materaner während seines Kirchgangs getötet.

Auch in der Umgebung von Matera finden sich viele kleine Kirchen, die in den Kalktuff gegraben wurden und schöne Fresken aufweisen. Sie wurden zumeist im 8. Jh. von griechisch-byzantinischen Mönchen angelegt und bilden heute den Parco delle Chiese Rupestri. Auf der Murgia Timpone im Osten Materas hat der Parco della Murgia Materana sein Besucherzentrum, wo man u.a. wertvolle Wandertipps für die Umgebung erhält.

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